Zu Besuch in der Flechtwerkstatt
„Flechten hat etwas Magisches, ich würde nichts anderes machen wollen.“
In der Werkstatt nahe Nürnberg steht ein Weidenbündel neben dem anderen, stapeln sich Stühle unterschiedlichen Alters und Herkunft. Hier ist Elke Hegmann am liebsten. „Als ich angefangen habe, wäre ich am liebsten auch nachts hiergeblieben“, erzählt sie lachend – „ganz so schlimm ist es zwar nicht mehr, aber ich liebe es nach wie vor hier ganz für mich zu flechten. Das ist ein gutes Gegenprogramm zu den Kursen, bei denen das gemeinsame Flechten im Vordergrund steht.“
Berufung statt Beruf
Die Neustädterin ist eine Spätberufene, die viele Jahre im Büro gearbeitet hat, bevor sie die Schule für Flechtwerkgestaltung besucht und erfolgreich abgeschlossen hat. „Auch wenn ich eine Million im Lotto gewinnen würde, ich würde nichts anderes machen wollen als Flechten.“ Vielleicht liegt das auch daran, dass Elke Hegmann schon als Baby in einem Weidenkorb lag – „der steht übrigens immer noch bei meinen Eltern.“
„Geduld, Konzentration und das Gefühl für das Material.“
Verrückt nach Flechten
Elke Hegmann sitzt zwischen ihren angefangenen und fertigen Werkstücken und erzählt: „Als ich micht entschieden habe, auf die Staatliche Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels zu gehen, haben mich bestimmte einige für verrückt gehalten. Auch wenn sie es mir nicht gesagt haben. Ich will nichts anderes machen als Flechten.“
Ihr „Gesellenstück“ war eine lebensgroße Skulptur, eine geflochtene Statue – die „Madame“. „Das ist mehr Kunst als Gebrauchsgegenstand – und hat mir sehr viel Freude gemacht. Die Form ist wie aus mir herausgeflossen.“ Auch im Urlaub wird noch geflochten, denn da zieht es sie gerne nach Frankreich, um dort neue Flechttechniken zu lernen.
Flechtwerkgestalterin Elke Hegmann
- Mitglied der Landesinnung des Bayerischen Flechthandwerks
- Abschluss als Flechtwerkgestalterin an der Staatliche Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels
- Das Flechthandwerk wurde 2016 von der Deutschen UNESCO-Kommission ins Bundesweite Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe aufgenommen

